Präsident Siegwart ordnet Branchenlage ein: Personal, Preise und Perspektiven im Fokus
Marcel Siegwart, Präsident von Gastro Thurgau und Gastgeber im Frauenfelder Restaurant «Scharfes Eck», hat sich in einem ausführlichen Austausch zur Situation der Gastronomie im Kanton geäussert. Er beschreibt ein Umfeld, in dem Betriebe stark gefordert sind – insbesondere durch steigende Kosten, veränderte Erwartungen der Gäste und den zunehmenden Wettbewerb um qualifiziertes Personal.
Ein zentrales Thema bleibt für Siegwart die Mitarbeitersituation. Der Kontakt zwischen Service und Gast sei ausschlaggebend dafür, ob ein Besuch in positiver Erinnerung bleibe. Freundliches Auftreten, Aufmerksamkeit und Verständnis für individuelle Bedürfnisse seien Faktoren, die letztlich auch die Zahlungsbereitschaft beeinflussen. Die Branche sei daher darauf angewiesen, motivierte Fachpersonen zu gewinnen und zu halten.
Bei der Preisentwicklung sieht Siegwart viele Betriebe in einem Spannungsfeld. Kosten für Energie, Lebensmittel, Personal und Miete steigen seit Jahren an. Entsprechend mussten zahlreiche Restaurants ihre Preise anpassen. Entscheidend sei, dass solche Schritte nachvollziehbar und frühzeitig kommuniziert werden, da Gäste heute stärker vergleichen und Preiserhöhungen kritisch prüfen. Gleichzeitig verweist Siegwart darauf, dass das Preisniveau im Thurgau im Vergleich zu anderen Regionen moderat bleibe.
Inhaltlich betont Siegwart auch die Vielfalt der gastronomischen Berufe. Während Köchinnen und Köche hohe Anforderungen an Präzision und Kreativität erfüllen müssen, tragen Servicemitarbeitende die Verantwortung für das Gesamterlebnis im Gastraum. Beide Bereiche seien tragende Säulen eines funktionierenden Betriebs.
Siegwart bringt zudem seine eigene Erfahrung ein: Jahre in einem saisonabhängigen Betrieb und heute ein urbanes Umfeld hätten ihm gezeigt, wie unterschiedlich Rahmenbedingungen ausfallen können – und wie flexibel Gastronomen bleiben müssen, um erfolgreich zu wirtschaften.
Trotz aller Herausforderungen blickt er positiv nach vorn. Viele Fragen rund um Kosten, Personal und Mehrwertsteuer seien komplex, aber lösbar. Entscheidend sei, dass Gäste verstehen, wofür sie bezahlen, und erkennen, wie viel Leistung hinter einem gastronomischen Angebot steht.